Gelenkwaffen

Beitragsfotos vorlage KnieLaut Statistik des Gesundheitsministeriums zählen Knieoperationen zu den dritthäufigsten chirurgischen Eingriffen in Österreich, allein im Jahr 2012 waren es 81.275. Reinhard Windhager, Vorstand der Universitätsklinik für Orthopädie an der Medizinischen Universität Wien, meint dennoch, Bewegung sei die beste Medizin für´s Knie, was viele Studien belegen würden. Physiotherapie und moderater Sport seien oft sinnvoller, als gleich zu operieren. Bewegungsarmut und Übergewicht können angeborene Fehlstellungen der Beinachsen (X- oder O-Beine) oft verstärken und unbehandelt schließlich zur Arthrose (Gelenkverschleiß) führen.

Durchschnittlich legt der Mensch im Lauf seines Lebens etwa 80.000 Kilometer zurück, das entspricht einer zweimaligen Erdumrundung, durch verschiedene Sportarten erhöhen sich Strecke und Belastung. Dieser Belastung hält das Kniegelenk durch seine Kreuz- und Seitenbänder, die als Stoßdämpfer dienenden Menisken sowie die umgebende Muskulatur stand. Das optimale Zusammenwirken der Strukturen wird durch bestimmte sensorische Rezeptoren unterstützt, weshalb – auch nach Operationen – das Trainieren der Feinmotorik, also das Stabilisieren der Beinachse, eine große Rolle spielt. Ebenso der Knorpel, der die Gelenksflächen überzieht, braucht einen gut verteilten Flüssigkeitsfilm, was wiederum durch moderate Bewegung, also ohne große Gewichtsbelastung, erlangt wird. Auch laufen sei unter Beachtung der Beinachse und mit guter Dämpfung durch geeignete Laufschuhe durchaus gesund, sofern keine Vorschädigung besteht. Wolfgang Marth, Kniespezialist in Salzburg und Teamarzt im ÖSV, sieht einen gut trainierten Körper sowie präventives Dehnen als risikomindernde Faktoren für eine Verletzung, hingegen seien Selbstüberschätzung und zu anspruchsvolles Material vor allem im Schisport oft der Auslöser dafür.

Operationen bringen leider nicht immer den gewünschten Erfolg, doch es entscheidet sich je nach Art und Ort der Verletzung sowie Alter und Belastung der Patienten, ob sie sinnvoll sind oder nicht. Laut Knieexperten Hans Pässler, der die Atos-Klinik in Heidelberg leitet, seien sogar die Hälfte der Knie-Arthroskopien nutzlos, wenn nicht sogar verschlimmernd. Leider würden allerdings auch von den Patienten Eingriffe manchmal regelrecht gefordert.

Quelle: Beitrag aus profil 42, 14. Oktober 2013