Thema Beckenboden

Slim tanned woman's body.

Ohne Beckenboden kein Halt.
Ohne Beckenboden kein aufrechter Gang.
Ohne Beckenboden nicht „ganz dicht“.
Ohne Beckenboden keine Lust.

Jeder Zweite ist von einer Schwäche des Beckenbodens betroffen und es wird nicht darüber gesprochen. „Oft taucht dieses Thema nur als Nebendiagnose auf z.B. bei Rückenschmerzen, Hüftschmerzen und unerklärbaren Bauchschmerzen“, weiß Magdalena Schasché aus der Praxis zu berichten. Dabei verursachen Beschwerden des Beckenbodens große Schmerzen – vor Ort bis zur Ausstrahlung in den Rücken, die Hüfte und den Bauch. Im Laufe der letzten Jahre hat sich unsere Therapeutin intensiv dem Thema „Beckenboden in der Therapie“ gewidmet. Ihr Wunsch ist es, hier Transparenz zu schaffen und den Mut zu fördern, darüber zu sprechen, da es für viele sehr bedrückend ist.

Der Beckenboden aus Sicht der Frau?

Unser Beckenboden ist ein faszinierendes Zusammenspiel zwischen Muskulatur, Bindegewebe und dreidimensionaler Körperarchitektur. Mehrschichtig und tiefreifend ist er wie ein elastisches Trampolin gespannt und vernetzt. Er gibt Halt und hält Spannung zugleich. Höchstleistung vollbringt er während der Schwangerschaft, der Geburt und danach (zB. beim Tragen der Kinder).

Auch Operationen und Traumen (Stürze auf das Steißbein), Kältetraumen (Sitzen auf kalten Steinen) sind Verursacher zahlreicher Probleme und Schmerzen. Durch diese Belastungen und Verletzungen leidet die Funktion des Beckenbodens – Schwächen und Schmerzzustände entstehen.

Beim Husten, Niesen oder Springen fällt erstmals auf, dass man nicht mehr „ganz dicht“ ist.

Wann sollte man behandeln?

Die Schwäche des Beckenbodens geht meist nicht mit einer Schwäche der Muskulatur einher. Durch die Belastungen, wie oben erwähnt, können folgende Dysbalancen im Gewebe entstehen:
Durch Druck verschieben sie sich in den Logen der Muskulatur Gewebeteile, die wie Bolzen zwischen mehreren Gleitlagern der muskulären und faszialen Strukturen eingeklemmt werden. Diese „hernierten Triggerpunkte“ stören die Funktion des Beckenbodens.

Durch ständige Drucksituationen, wie beispielsweise durch schmale Fahrradsättel, Schwangerschaft und Geburt, aber auch nach Husten, welcher oftmals über Wochen reizt, bilden sich Triggerpunkte und Myogelosen. Triggerpunkte gibt es in allen Muskeln, man versteht darunter kleine Knötchen/Störfelder mit erhöhter Erregbarkeit, die bei Anspannung Schmerzen auslösen (oftmals verbunden mit häufigen Übertragungsschmerzen bis in den Rücken und/oder Unterbauch). Diese Beeinträchtigungen stören massiv die Funktion des Beckenbodens. Hier stimmt also die Theorie, dass der Beckenboden schlaff wird, nicht!

Aufgrund von Überdehnungen, zum Beispiel während der Geburt oder nach Traumen, reagiert die Muskulatur mit Verspannungen. Der Beckenboden verliert an Beweglichkeit und kann z.B. die Harnröhre nicht gut verschließen oder die notwendige Gegenspannung erzeugen, die den Druck beim Niesen oder Husten ausgleicht.

Diese Störebenen sollten gleich zu Beginn der Therapie behandelt werden. Hernierte Triggerpunkte und einzelne Triggerpunkte lassen sich manuell reponieren und entspannen, der Beckenboden gewinnt seine ursprünglichen Kraft und Spannung zurück und kann entlastet seine Funktion ausüben. Viele Patienten können diese positiven Effekte schon unmittelbar nach den ersten Behandlungen wahrnehmen.

Erst ein von Triggerpunkten befreiter und entspannter Beckenboden kann mit Übungen etwas anfangen und trainiert werden. Hernierte Triggerpunkte, einzelne Triggerpunkte sowie Verklebungen lassen sich ertasten, manuell zurückschieben und entspannen. Der Beckenboden gewinnt seine ursprüngliche Kraft und Spannung zurück und kann entlastet im vollen Umfang seine Funktion nutzen. Daher ist der Beginn mit funktionellen Übungen erst nach der Therapie sinnvoll und effektiv.

Magdalena Schasche beckenboden

Sind Übungen sinnvoll?

Bei vielen Patienten konnten wir beobachten, dass diese beginnen, genau dann wie verrückt ihren Beckenboden zu trainieren – meist durch selbst recherchierte Übungen aus Broschüren oder dem Internet, aber nach ein paar Wochen oder Monaten hat sich kaum etwas getan. Das liegt daran, dass das Wissen darüber fehlt, wo der Beckenboden genau liegt und wie man ihn bewusst machen kann.

Die Praxis zeigt auch, dass viele Frauen einen viel zu angespannten Beckenboden haben. Durch Übungen und Training des Beckenbodens ohne vorherige Therapie verschlimmern sich die Symptome und Besserungen treten nicht ein.

Der Beckenboden aus Sicht des Mannes?

Auch Männer haben einen Beckenboden, allerdings zeigen sich die Probleme etwas anders als bei den Frauen. Beckenbodenschmerzen entwickeln sich nach Verletzungen, Operationen (häufig nach Prostataoperationen), aber auch bei falschen Gewohnheiten.

Bei Männern sind Diagnosen von Beckenbodenbeschwerden unter chronischer Prostatitis (CPPS – chronic pelvic pain syndrome) und Blasenstörungen bekannt. Leider fehlt oft die Information, dass diese auch behandelt werden können.

Bei Männern zeigen sich die Beschwerden beim Sitzen und beim Radfahren. Dabei wird vor allem der vordere Anteil des Beckenbodens dauerbelastet und verstärkt die Symptome von Triggerpunkten, die ausstrahlende Schmerzen bis in Beine, Bauch und Rücken mitverursachen können.
Auch beim Mann finden sich vor allem Verspannungen und verkrampfte Zustände.

Erste Anzeichen sollten schon früh wahrgenommen werden!

Durch eine funktionelle Verbindung zwischen Unterbauch und Beckenboden bestehen viele urogenitale Beschwerden, die aber nur selten als solche wahrgenommen werden.
Erste Anzeichen sollten daher früh wahrgenommen werden und die Möglichkeit zur Therapie geben.

Achten Sie auf folgende Beschwerden:

Einschlafen des Beckenbodens bei längerem Sitzen oder Radfahren
Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle
Schmerzen beim Verkehr
erhöhte Empfindsamkeiten auf Kälte, Berührung oder Reibung durch Kleidung
Blasenfunktionsstörungen
Verstopfung, Durchfall, Harndrang
ausstrahlende Schmerzen ins Genital, Leiste, Bauch, Rücken
Hämorriden oder Fissuren
Inkontinenz beim Husten, Niesen, Springen, Laufen